Warenwirtschaft

Welche Warenwirtschaftsprogramme rüsten für die E-Rechnung nach BMF-Vorgaben auf?

Warenwirtschaft Software Auswahl: Diese Systeme erfüllen die E-Rechnungspflicht nach BMF-Vorgaben und sind jetzt für den Mittelstand gerüstet.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Warenwirtschaft Software Auswahl muss die Pflicht zur E-Rechnung nach BMF-Vorgaben abbilden, sonst drohen Umsatzsteuerprobleme.
  • SAP Business One, Microsoft Dynamics und Sage bieten unterschiedliche Funktionen für E-Rechnung, ELSTER und GoBD.
  • Die Bafin warnt vor gefälschten BMF-Schreiben, die Verunsicherung stiften.
  • Die Umstellung kostet je nach System und Unternehmensgröße zwischen 5.000 und 50.000 Euro.
  • Ohne Schnittstellen zu Buchhaltung und ELSTER bleibt jede E-Rechnung unvollständig.

E-Rechnungspflicht nach BMF-Vorgaben verstehen

Die Pflicht zur E-Rechnung nach BMF-Vorgaben betrifft alle Unternehmen in Deutschland, die Umsätze mit anderen Unternehmen abrechnen. Seit dem 1. Januar 2025 müssen inländische B2B-Rechnungen als strukturierte elektronische Rechnung ausgestellt werden. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat dazu ein Schreiben veröffentlicht, das die technischen Anforderungen festlegt.

Wer als IT-Leiter oder kaufmännische Leitung in Handel und Fertigung tätig ist, muss die Vorgaben kennen.

Ein Warenwirtschaftssystem ist das Herzstück der Auftragsabwicklung. Es verwaltet Artikel, Lager, Bestellungen und Rechnungen. Ohne Anpassung kann es die neuen Formate wie XRechnung oder ZUGFeRD nicht erzeugen. Die Pflicht zur E-Rechnung nach BMF-Vorgaben verlangt, dass Rechnungen in einem festen Datenformat vorliegen und ohne manuelle Nacherfassung weiterverarbeitet werden können. Das betrifft auch die Aufbewahrung nach GoBD.

Die Grundlagen zu Warenwirtschaftsprogrammen und E-Rechnung hat Warenwirtschaftssystem, Wikipedia zusammengefasst. Danach müssen Systeme in der Lage sein, Rechnungsdaten strukturiert zu speichern und auszutauschen. Für mittelständische Betriebe bedeutet das: Die Software muss die Formate beherrschen und die Prozesse anpassen.

Die Umstellung ist nicht optional. Wer weiter Papierrechnungen oder unstrukturierte PDFs versendet, riskiert, dass Kunden die Rechnung ablehnen. Die Finanzverwaltung akzeptiert nur noch elektronische Formate. Das gilt für alle Branchen, besonders für Handel und Fertigung mit vielen Rechnungen pro Monat.

In Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Baden-Württemberg gibt es viele mittelständische Unternehmen, die ihre Warenwirtschaft jetzt aufrüsten müssen. Die IHK bietet dazu Hinweise zu GoBD und E-Rechnung für mittelständische Betriebe. Die Steuern | Finanzen | Mittelstand Seite der DIHK informiert regelmäßig über Neuerungen.

Betroffen sind nicht nur große Konzerne. Ein Handelsbetrieb in Hamburg mit acht Mitarbeitern stellt jährlich rund 4.000 Ausgangsrechnungen. Jede davon muss künftig im strukturierten Format beim Kunden ankommen. Ohne Systemunterstützung ist das nicht zu schaffen.

Die Pflicht greift stufenweise. Zunächst gilt die Empfangspflicht, später die Ausstellungspflicht für alle inländischen B2B-Umsätze. Wer jetzt nicht umstellt, verliert Zeit für Tests und Schulungen.

Welche Funktionen Warenwirtschaftssysteme jetzt brauchen

Funktionen für Warenwirtschaftssysteme müssen drei Bereiche abdecken: Rechnungserstellung, Datenexport und Integration in die Buchhaltung. Fehlt einer dieser Bereiche, ist die E-Rechnungspflicht nicht erfüllt.

Zunächst muss das System die Formate XRechnung und ZUGFeRD erzeugen können. XRechnung ist der Standard für öffentliche Auftraggeber, ZUGFeRD ist ein hybrides Format aus PDF und XML. Beide müssen aus der Auftragsabwicklung heraus automatisch erzeugt werden. Das spart Zeit und vermeidet Fehler.

Dann braucht das System eine Archivierungsfunktion, die den GoBD entspricht. Rechnungen müssen unveränderbar gespeichert und für zehn Jahre aufbewahrt werden. Die Archivierung muss revisionssicher sein, damit die Betriebsprüfung keine Probleme macht. Eine einfache PDF-Ablage im Dateisystem genügt nicht.

Weiterhin sind Schnittstellen zu Buchhaltung und ELSTER notwendig. Die Buchhaltung muss die Rechnungsdaten automatisch übernehmen können. ELSTER ist die elektronische Steuererklärung, über die Umsatzsteuer-Voranmeldungen übermittelt werden. Ohne Schnittstelle müssen Daten manuell übertragen werden, was fehleranfällig ist.

Schließlich muss das System Mandantenfähigkeit bieten, wenn mehrere Gesellschaften abgerechnet werden. Auch die DSGVO-Konformität ist Pflicht, denn Rechnungen enthalten personenbezogene Daten. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) verlangt, dass Daten sicher verarbeitet werden.

Ein Praxisbeispiel: Ein Fertigungsbetrieb in Sachsen mit 50 Mitarbeitern erhält monatlich 200 Rechnungen. Bisher wurden diese als PDF per E-Mail versendet. Nach der Umstellung auf ein Warenwirtschaftssystem mit E-Rechnungsfunktion werden die Rechnungen automatisch als ZUGFeRD erzeugt und an die Buchhaltung übergeben. Die Zeitersparnis beträgt etwa 20 Stunden pro Monat.

Weitere Pflichtfunktionen betreffen die Stammdaten. Die Umsatzsteuer-ID des Kunden muss im System hinterlegt und geprüft werden. Ebenso braucht jede Rechnung eine eindeutige Rechnungsnummer ohne Lücken.

Ein weiterer Punkt ist die Währungsumrechnung. Bei grenzüberschreitenden Lieferungen müssen Beträge und Steuersätze korrekt ausgewiesen werden. Das System sollte die Regeln für innergemeinschaftliche Lieferungen kennen.

Auch die Anhänge gehören dazu. Lieferscheine, Auftragsbestätigungen und Gutschriften müssen mit der Rechnung verknüpft archiviert werden. Sonst fehlt im Prüfungsfall der Nachweis.

Schließlich sollten Unternehmen auf Protokollierung achten. Jede Änderung an einer Rechnung muss nachvollziehbar sein. Diese Anforderung stammt aus den GoBD und gilt unabhängig vom Format.

SAP Business One, Microsoft Dynamics und Sage im Funktionsvergleich

SAP Business One, Microsoft Dynamics und Sage sind die drei großen Anbieter für Warenwirtschaft im Mittelstand. Alle bieten Funktionen für E-Rechnung, unterscheiden sich aber in Details. Der Vergleich zeigt, worauf bei der Auswahl zu achten ist.

Kriterium SAP Business One Microsoft Dynamics 365 Business Central Sage 100
E-Rechnung Formate XRechnung, ZUGFeRD XRechnung, ZUGFeRD XRechnung, ZUGFeRD
ELSTER-Schnittstelle ja, über Add-ons ja, integriert ja, über Partner
GoBD-Archivierung ja ja ja
Cloud oder On-Premises beides Cloud beides
Typische Kosten ab 10.000 Euro ab 8.000 Euro ab 6.000 Euro

SAP Business One E-Rechnung ist über Add-ons oder Erweiterungen möglich. Das System ist für Fertigungsunternehmen mit komplexen Prozessen geeignet. Die Anpassung erfordert jedoch meist einen SAP-Partner. Microsoft Dynamics bietet E-Rechnung nativ in der Business Central Version. Die Integration in Microsoft 365 ist ein Vorteil.

Sage hat den Fokus auf Handel und einfache Fertigung. Die E-Rechnung ist in der aktuellen Version enthalten.

Der Microsoft Dynamics Sage Vergleich zeigt: Microsoft ist stärker in der Cloud, Sage bietet mehr On-Premises-Optionen. SAP ist am flexibelsten, aber auch am teuersten. Die Wahl hängt von den eigenen Prozessen ab.

Wichtig ist, dass alle drei Anbieter regelmäßig Updates liefern, um neue BMF-Vorgaben umzusetzen. Die Anbieter müssen die Formate aktuell halten. IT-Leiter sollten darauf achten, dass die Wartungsverträge dies abdecken.

Die Entscheidung für ein System sollte auch die vorhandene IT-Landschaft berücksichtigen. Wer bereits Microsoft 365 nutzt, fährt mit Dynamics oft günstiger. Wer SAP im Konzern einsetzt, bleibt bei Business One. Sage ist eine Option für Handelsunternehmen mit überschaubarer IT.

Ein Punkt wird häufig übersehen: die Anzahl der gleichzeitigen Nutzer. Bei SAP Business One wirkt sich jeder zusätzliche Arbeitsplatz auf die Lizenzkosten aus. Bei Sage 100 ist die Staffelung oft großzügiger.

Auch die Anpassbarkeit unterscheidet die Systeme. SAP Business One lässt sich stark individualisieren, was in der Fertigung hilft. Microsoft Dynamics setzt auf Standardprozesse und Konfiguration statt Programmierung. Sage bleibt näher am Standard.

Für Unternehmen in Baden-Württemberg und Bayern mit exportorientierter Fertigung ist die Fremdwährungsfähigkeit wichtig. Alle drei Systeme beherrschen sie, SAP am umfangreichsten.

Die Betriebsart spielt ebenfalls eine Rolle. Wer strikt Cloud will, ist bei Microsoft Dynamics richtig. Wer aus Datenschutzgründen lokal hosten möchte, wählt eher SAP Business One oder Sage.

Schnittstellen zu Buchhaltung und ELSTER

Die E-Rechnung ist nur der Anfang. Die Daten müssen in die Buchhaltung und an das Finanzamt weitergegeben werden. Dafür sind Schnittstellen nötig.

ELSTER ist die Plattform für die elektronische Steuererklärung. Über ELSTER - Startseite können Unternehmen ihre Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben. Die Warenwirtschaft muss die Daten so aufbereiten, dass sie direkt in ELSTER importiert werden können. Viele Systeme bieten dafür eine Exportfunktion als CSV oder XML.

Die Buchhaltungsschnittstelle muss die Rechnungsdaten automatisch übernehmen. Dafür gibt es Standards wie DATEV oder SAP Financials. Das Warenwirtschaftssystem muss die Daten im richtigen Format liefern. Andernfalls müssen Mitarbeiter die Rechnungen manuell erfassen.

Für die E-Rechnung nach BMF-Vorgaben ist auch die Prüfung der Rechnungen wichtig. Eingehende Rechnungen müssen automatisch auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Das System sollte Plausibilitätsprüfungen durchführen, etwa ob die Umsatzsteuer-ID gültig ist.

Die Schnittstellen müssen DSGVO-konform sein. Der Datenaustausch darf nur verschlüsselt erfolgen. Der BfDI empfiehlt, die Schnittstellen regelmäßig zu überprüfen.

Die Bundesnetzagentur ist für die Vergabe von Umsatzsteuer-IDs zuständig. Eine gültige ID ist Voraussetzung für die E-Rechnung. Das Warenwirtschaftssystem sollte die ID automatisch prüfen.

Technisch laufen die meisten Schnittstellen über definierte Dateiformate oder Webservices. Wichtig ist eine klare Fehlerbehandlung. Wenn eine Rechnung abgelehnt wird, muss das System den Grund protokollieren.

Ein weiterer Aspekt ist die Reihenfolge der Verarbeitung. Erst prüfen, dann buchen, dann archivieren. Diese Abfolge verhindert doppelte Buchungen und Lücken in der Nummernfolge.

Warnung vor gefälschten BMF-Schreiben

Die Bafin warnt vor gefälschten BMF-Schreiben. Betrüger versenden E-Mails im Namen des Bundesministeriums der Finanzen, die angeblich neue Vorgaben zur E-Rechnung enthalten. Die Schreiben fordern Unternehmen auf, sich auf einer gefälschten Website zu registrieren oder Gebühren zu zahlen.

Die News & Warnungen - Betrug: Bafin warnt vor gefälschten BMF-Schreiben - Bafin Meldung vom 8. Juni 2026 zeigt, wie die Betrüger vorgehen. Sie nutzen die Verunsicherung durch die E-Rechnungspflicht aus. IT-Leiter sollten ihre Mitarbeiter sensibilisieren.

Echte BMF-Schreiben werden nur über die offizielle Website des BMF veröffentlicht. Unternehmen sollten niemals auf Links in verdächtigen E-Mails klicken. Bei Zweifeln hilft der Steuerberater oder die IHK.

Die Bafin ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie warnt regelmäßig vor Betrugsmaschen. Im Zusammenhang mit der E-Rechnung ist besondere Wachsamkeit geboten, weil viele Unternehmen unter Zeitdruck stehen.

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, E-Mails mit Anhängen von unbekannten Absendern zu löschen. Die Gefahr von Schadsoftware ist hoch. Ein aktueller Virenschutz ist Pflicht.

Betroffen sind vor allem kleine Betriebe ohne eigene IT-Abteilung. In Regionen mit vielen Mittelständlern, etwa in Niedersachsen oder Hessen, treffen die gefälschten Schreiben auf besonders viele Empfänger. Eine kurze interne Regel hilft: Steuerpost nur über bekannte Kanäle prüfen.

Kosten und Umstellungsaufwand in Euro

Die Kosten für die Umstellung hängen von der Unternehmensgröße und dem gewählten System ab. Eine grobe Orientierung gibt die folgende Tabelle.

Unternehmensgröße System Einmalige Kosten Laufende Kosten pro Jahr
bis 10 Mitarbeiter Sage 100 6.000 Euro 1.200 Euro
10 bis 50 Mitarbeiter Microsoft Dynamics 15.000 Euro 3.000 Euro
50 bis 200 Mitarbeiter SAP Business One 35.000 Euro 7.000 Euro
über 200 Mitarbeiter SAP Business One 50.000 Euro 10.000 Euro

Die einmaligen Kosten umfassen Lizenz, Implementierung und Schulung. Die laufenden Kosten beinhalten Wartung und Updates. Hinzu kommen eventuell Kosten für Anpassungen an die E-Rechnung.

Der Umstellungsaufwand sollte nicht unterschätzt werden. Die Auswahl und Einführung eines neuen Warenwirtschaftssystems dauert mehrere Monate. Unternehmen sollten frühzeitig beginnen, um die Fristen einzuhalten.

Förderungen gibt es kaum. Einige Bundesländer bieten Zuschüsse für die Digitalisierung. In Bayern gibt es den Digitalbonus, in Baden-Württemberg das Programm Digital Jetzt. Die Anträge sind jedoch aufwendig.

Die Kosten für die E-Rechnung selbst sind gering, wenn das System die Funktionen bereits bietet. Updates sind oft in den Wartungsverträgen enthalten. Wer ein Altsystem nutzt, muss mit höheren Kosten rechnen.

Ein typischer Umstellungsplan lässt sich in sieben Schritten abarbeiten:

  1. Bestandsaufnahme der heutigen Rechnungsprozesse und Formate
  2. Anforderungskatalog mit Pflichtfunktionen für E-Rechnung erstellen
  3. Drei Anbieter zu Angebot und Referenzen auffordern
  4. Teststellung mit echten Rechnungsdaten durchführen
  5. Schnittstellen zu Buchhaltung und ELSTER prüfen
  6. Mitarbeiter schulen und Archivierungsregeln dokumentieren
  7. Produktivsetzung mit Parallellauf über einen Monat

Die Entscheidung für ein System sollte langfristig sein. Ein Wechsel ist teuer und zeitaufwendig. Daher lohnt sich eine gründliche Warenwirtschaft Software Auswahl.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich die E-Rechnungspflicht nicht erfülle?

Das Finanzamt kann die Rechnung nicht anerkennen. Es drohen Umsatzsteuernachzahlungen und Bußgelder. Kunden können die Zahlung verweigern.

Welches Format muss meine Warenwirtschaft unterstützen?

XRechnung und ZUGFeRD sind die Standardformate. XRechnung ist für öffentliche Auftraggeber Pflicht, ZUGFeRD für den Handel.

Kann ich mein Altsystem weiter nutzen?

Nur, wenn der Hersteller ein Update für die E-Rechnung bereitstellt. Viele ältere Systeme erhalten keine Updates mehr. Dann ist ein Wechsel nötig.

Wie erkenne ich gefälschte BMF-Schreiben?

Echte Schreiben kommen nur per Post oder über die offizielle BMF-Website. E-Mails mit Links oder Zahlungsaufforderungen sind fast immer Betrug.

Was kostet die Umstellung für einen Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeitern?

Für ein einfaches System wie Sage 100 fallen etwa 6.000 Euro einmalig an. Dazu kommen jährliche Wartungskosten von rund 1.200 Euro.

Brauche ich eine neue Buchhaltungssoftware?

Nicht unbedingt. Die Warenwirtschaft muss eine Schnittstelle zur bestehenden Buchhaltung haben. Oft reicht ein Update der Schnittstelle.

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